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Artikel in HKM 10/1997:

Höhlen im Bereich Nestelberggraben - Notental (Teilgr. 1824)

von Reinhard und Walter Fischer

Bei einigen Geländebegehungen im Mai und Juni 1997 auf der orogr. linken Seite des Nestelberggrabens wurden etliche Höhlen aufgefunden und vermessen. Der Nestelberggraben ist entweder von Kienberg bzw. Gaming über die Straße durch die Vorderen Tormäuer (bis Kote 444, ÖK50/72) oder von Lackenhof über Raneck und Nestelbergsäge erreichbar. Bei der Kote 568 setzt die kaum befahrene Forststraße ins westwärts ziehende Notental an, wo nach 200 m ein in der ÖK nicht eingetragener Karrenweg abzweigt. Von der Verzweigung den steilen Waldhang 100 Höhenmeter nordwärts aufsteigend, kommt man zum Fuß von auffallenden Felsbildungen. Links (westlich) einer von mehreren Kaminen durchzogenen Felswand erhebt sich etwas im Hintergrund, direkt in Fallinie oberhalb des Aufstieges, eine pfeilerartige Felsformation, in der man 10 m über dem Wandfuß den oberen Eingang des Notentalkamines erkennen kann. In der Westseite - durch 30 m Steilaufstieg erreichbar - öffnet sich der untere Eingang in den

Notentalkamin (1824/59a, b, Sh 730 m, L 9 m, H +7 m).
Es handelt sich um eine anfangs 7 m hohe, 4 m bergwärts führende Spalte mit steil ansteigender Sohle. Klettert man im Endbereich 5 m empor, gelangt man nach einem engräumigen Durchschlupf zu einer abschüssigen Strecke, die mit einer 1,5 m hohen und 1 m breiten Öffnung in die Felswand ausmündet.

Westlich unterhalb des Steilaufstieges zum Notentalkamin ist über eine steile Grasrampe ein Felsband zugänglich, das die weiterziehenden Wände zur Gänze durchquert. Bereits nach wenigen Metern erreicht man auf dem hier sehr schmalen Band in einem Felswinkel die

Notentalhöhle (1824/60, Sh 710 m, L 25 m, H -5 m).
Der nischenartige 2 m breite und ebenso hohe Eingang verjüngt sich rasch zu einem niedrigen Schluf mit erdigem Boden. Nach 4 m steigt die Raumhöhe auf 1 m und mit einem kleinen Erdwall mündet die Strecke in den Hauptraum der Höhle. Aus einem Spalt in der Decke des 4 m langen, max. 3 m breiten und bis 5 m hohen Raumes plätschert über eine steile, die linke Wand einnehmende Felsplatte ein bescheidenes Gerinne herab, welches in einer Senke im Bodenblockwerk verschwindet. Einige größere Blöcke übersteigend kommt man in einen 2 m breiten, leicht fallenden Gang, der ständig niedriger werdend nach 8 m in den Endschluf übergeht. Der Blockboden weicht hier lehmigen Sedimenten und bei einer Erweiterung wird die nur mehr 1 m breite Strecke endgültig zu eng. Aus dieser unbefahrbaren Fortsetzung waren am Tag der Vermessung Kriechgeräusche vernehmbar. Der Höhlenboden ist mit zahlreichen Knochen übersät, von denen einige aufgesammelt und am Naturhistorischen Museum Wien von Dr. Kurt Bauer bestimmt wurden: Braunbär, Hirsch, Reh, Mufflon, Hase.

Im hinteren Teil des Notentales ragt nördlich ein steiler, felsiger Rücken auf, der sich in ca. 800 m Seehöhe verflacht und danach sanft zum Anwesen Schönwald ansteigt. In seinem Südhang liegt nur etwa 5 m unter der Verflachung, etwas östlich einer oberhalb vorbeiführenden Forststraße (unterhalb eines Jagdsitzes sowie unterhalb einer das Notental überspannenden Stromleitung) der

Notentalschluf (1824/61, Sh 800 m, L 5 m, H +1 m).
Dem 2 m breiten, 1,5 m hohen, am Fuß einer Felsstufe gelegenen Eingang folgt ein 40 cm hoher Schluf, an dessen linker Raumbegrenzung nach 3 m ein kleiner Canyon ansetzt. Die 1 m hohe Strecke endet nach 2 m in einer kleinen tropfsteingeschmückten Nische.

Die beiden nächsten Objekte befinden sich südlich einer markanten Schneise im Nestelberggraben. Etwa 350 m talauswärts der Kote 568 durchzieht ein baumfreier Streifen den steilen Westhang des Nestelberggrabens (gegenüber vom Stiermauertal). Steigt man hier etwa 130 Höhenmeter auf, erreicht man sowohl nördlich als auch südlich der Schneise ansetzende Felswände. Dem Wandfuß nach Süden folgend, kommt man nach ca. 50 m zu einem steil ansteigenden Felskessel, in dessen Nordwestbegrenzung sich 2 m über dem Boden die

Schneisenlucke (1824/62, Sh 690 m, L 6 m, H 3 m (-1 m, +2 m)) öffnet.
Der 2 m hohe und 2,5 m breite Eingang ist von Süden über einen schmalen Sims unschwierig erreichbar. Der südliche Bereich des Einganges wird von einer ansteigenden Felsplatte eingenommen, die mit einer kleinen Nische endet. Nach einer Felsbarriere beim Eingang gelangt man in einen abfallenden Kriechgang mit Lehmboden, der nach 5 m bei einem Rechtsknick unbefahrbar niedrig wird.

In der gegenüberliegenden, pfeilerartigen Flanke des Felskessels sieht man ein schwierig erreichbares Höhlenportal, dem jedoch nur eine 3 m lange Nische folgt. Verfolgt man unterhalb des Felskessels den Wandfuß weiter nach Süden über eine erdige Rampe aufwärts, kommt man auf einen Felsabsatz, der nach 30 m in einen steilen Graben mündet. Hier liegt in den südschauenden Wänden die

Stufenfuge (1824/63, Sh 680 m, L 10 m, B 10 m, H +7 m).
Es handelt sich dabei um zwei unter gemeinsamer Trauflinie liegende 5 m tiefe, halbhöhlenartige, ansteigende Nischen. Der östliche, tiefer liegende, maximal mannshohe Teil ist durch einen gestuften Einschnitt mit anschließender 1,5 m hoher Kletterstelle zugänglich. Hier wird durch einen labil geschichteten Pfeiler ein zweiter, 1 m hoher Eingang gebildet. Der Boden besteht überwiegend aus sandig-lehmigen Sedimenten und etwas Blockwerk. Die westliche Nische ist durch Querung vom Einschnitt auf schmalen Simsen nach links auf einen 2 m über dem Boden liegenden Absatz und Erkletterung der folgenden 3 m hohen Stufe erreichbar (Kletterschwierigkeit II). Die Höhe nimmt rasch von gut 2 m auf weniger als einen halben Meter beim Ende ab. Der abschüssige Felsboden wird mit vom lehmigen Ende herabrutschenden Sedimenten bedeckt.


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